Hedis Geschichte


Hedi ist ein Kleiner Münsterländer-Mix und am 20.07.1999 geboren. Sie ist für ihr Alter noch recht fit, was sicher nicht zuletzt daran liegt, dass wir jeden Tag spazierengehen und sie auch regelmäßig geistig ausgelastet wird. Sie ist sehr gehorsam, alltagstauglich und mittlerweile ein absoluter Traumhund.

Doch ihr Start ins Leben war alles andere als traumhaft. Sie wuchs bei einem Mann in unserem Dorf auf, der seine Hündin, Hedis Mutter, viel zu oft und unter schlechten Bedingungen Junge bekommen ließ. Schon als Welpe kannte ich Hedi, die meine Freundin und ich damals "Susi" getauft hatten. Ich hätte sie sogar von diesem Mann geschenkt haben können, leider war meine Mutter zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit für einen Hund.

So gingen die Monate ins Land und aufgrund eines längeren Krankenhausaufenthaltes meinerseits verlor ich Hedi aus den Augen. Als ich sie eines Tages als Halbwüchsige in unserem Dorf mutterseelenallein herumlaufen sah und zu ihrem Besitzer bringen wollte, erfuhr ich, dass sie mittlerweile bei einem anderen Mann lebte. Das neue Heim war allerdings alles andere als eine Verbesserung. Ganz im Gegenteil. Hedi wurde schlecht ernährt, angebunden an einer Hütte gehalten, sodass sie sich nicht einmal gegen andere Hunde wehren konnte, wenn diese mit ihren Besitzern in die Kneipe des Eigentümers kamen. Obendrein wurde sie auch noch misshandelt. So oft sie konnte, lief sie diesem Mann weg und war wieder allein in unserem Dorf unterwegs. Nur allzu oft kreuzten sich unsere Wege. Anfangs zufällig, doch nach und nach nahm ich mich ihrer an, ging mit ihr spazieren und kümmerte mich um sie. Jedes Mal, wenn ich sie wieder "nach Hause" gebracht hatte, hörte ich sie verzweifelt nach mir bellen. Ihre Hilferufe verfolgten mich bis zu unserem Haus. Ich flehte meine Mutter an, dass ich diesen Hund haben wollte, aber sie äußerte immer die gleichen Bedenken: Ein Hunde kostet Zeit, wer kümmert sich im Urlaub um ihn, usw. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht älter als 14 Jahre war, konnte man ihre Bedenken sicher verstehen, aber ich beharrte weiter auf meinem Wunsch.

Nachdem ich meine Zuverlässigkeit durch die erfolgreiche Pflege meiner damaligen Wellensittiche bewiesen hatte und im Dorf das Gerücht kursierte, dass der Besitzer Hedi umbringen wollte, weil sie ihm lästig wurde, ließ sich meine Mutter schließlich doch erweichen und gab das OK für Hedis Umzug.
Als ich Hedis Besitzer fragte, ob er sie mir überlässt, wollte er sie mir zuerst nicht geben, entschied sich dann nach einer Woche doch wieder um und ich konnte Hedi am 07.09.2002 mit nach Hause nehmen.

Die Freude darüber, dass ich nach über 3 Jahren meinen Traumhund haben durfte, wurde jedoch schnell von einigen Zwischenfällen überschattet. Hedi hatte mich mehrere Male gebissen, lief bei den Spaziergängen weg um zu jagen, hatte Angst vor Männern und war anderen Hunden gegenüber sehr aggressiv. Mit damals knapp 15 Jahren war ich mit ihr zeitweise sehr überfordert und suchte Rat im nahegelegenen Hundesportverein. Dort erzielten wir auch kleinere Erfolge, doch die veralteten und teilweise brutalen Ausbildungsmethoden boten kaum ausreichend Möglichkeit, ein harmonisches Verhältnis und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.
Mit der Zeit suchte ich in Büchern und im Fernsehen nach "humaneren" und hundegerechten Methoden, um meinen Hund zu trainieren. Je mehr Erfahrung ich mit den positiven Ausbildungswegen sammeln konnte, umso besser wurde das Verhältnis zu meinem Hunde. Leider waren meine "Spielereien" auf dem Hundeplatz einigen ein Dorn im Auge und so trennte ich mich Ende 2008 von dem Verein.

Hedi lebt nun seit über 9 Jahren bei uns und meine Beziehung zu ihr hat sich durch die positiven Ausbildungsmethoden und mein Wissen, welches ich im Rahmen meiner Berufsausbildung, der fundierten Weiterbildung und des fortgesetzten Studiums zahlreicher einschlägiger Informationsquellen sammeln konnte, sehr verbessert. Man könnte sagen, dass die ersten 3 Jahre die schwierigsten waren, da es in dieser Zeit immer wieder Rückschläge gab. Danach ging es eigentlich stetig bergauf.

Seit 2008 haben wir uns "hundesporttechnisch" sehr intensiv mit Dogdance und Dummyarbeit beschäftigt und ich bin immer wieder überrascht, mit wieviel Begeisterung mein mittlerweile in die Jahre gekommener Hund lernt.

Unsere Hedi ist das beste Beispiel dafür, dass sich jeder Hund, egal was für "Macken" er hat, dank geduldigem und tiergerechtem Training zu einem tollen Begleiter entwickeln kann. Allerdings muss man einem Hund auch die nötige Zeit geben. Schwer traumatisierte Hunde legen ihre "Probleme" nicht innerhalb einer Trainingsstunde ab, sondern brauchen viel Zeit, Geduld und Konsequenz, damit sie das Erlebte verarbeiten können. Solch ein Trainingsweg ist mitunter steinig und lang, aber mindestens genauso schön und lehrreich. Wenn man sich diese Zeit und Kraft für seinen Hund nimmt, wird man eine einzigartige Beziehung und Freundschaft aufbauen können.
Hedi ist heute nach wie vor mein Traumhund und ich bin sicher, dass mein Leben ohne sie weitaus langweiliger und einsamer gewesen wäre.


In diesem Sinne genießen Sie jeden Tag mit Ihrem Hund und scheuen Sie sich nicht davor, ein wenig Zeit, Geduld und Aufwand in diese einmalige Beziehung zu stecken.

Ein Hund schenkt uns seine ganze Liebe und Lebensfreude, was ist das schon verglichen mit dem, was wir ihm oft bieten?

 

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