FAQ - Wieviel "Kampfhund" steckt in Ihrem Liebling?


Immer wieder berichten die Medien über Angriffe von Hunden gegen Menschen. In einem Fall aus dem Raum Wittenberg kam ein dreijähriger Junge durch einen Rottweiler zu Tode. Der Hund wurde von der Polizei getötet und ein zweiter, zum gleichen Haushalt gehörender, Hund sollte unter Umständen "vorbeugend" ebenfalls eingeschläfert werden.

So tragisch dieser Vorfall auch sein mag, stellt sich doch die Frage, wie sinnvoll eine Erweiterung der Rasseliste für Sachsen-Anhalt und das Töten des anderen Hundes ist. Die Rassezugehörigkeit eines Hundes sagt äußerst wenig darüber aus, inwieweit ein Hund dazu veranlagt ist Menschen anzugreifen. Viel entscheidender ist eine verantwortungsvolle Zucht, eine gute Prägung und Sozialisierung sowie die artgerechte und sachkundige Haltung durch den Menschen, die natürlich auch eine gewisse Ausbildung des Hundes einschließt.
In oben genannten Fall wird berichtet, dass die alte Frau die zwei Hunde nicht artgerecht gehalten hat, was man allein auf einem Foto sehen konnte, auf welchem der Rottweiler ein Stachelhalsband trug. Schmerzen und eine mangelhafte Haltung können die Aggressionsbereitschaft eines jeden Hundes enorm steigern. Warum der Rottweiler auf das Kleinkind losging, kann man als Außenstehender kaum mit Bestimmtheit sagen. Aus Sicht eines Fachkundigen gibt es verschiedene Gründe für aggressives Verhalten von Hunden gegenüber Kindern:

- Jagdtrieb (Risiko steigt bei mangelhafter Ernährung)
- Territorialverhalten (Kind kann als Eindringling angesehen werden)
- ein Hund kann sich durch ein Kind bedroht fühlen (Angstaggression)
- Ressourcenverteidigung (Futter, Liegeplatz, Besitzerin, anderer Hund)
- Krankheit des Hundes (Bsp.: Hirntumor, Schmerzen)

Den genauen Grund herauszufinden ist im Nachhinein sehr schwer. Fakt ist aber, Hunde attackieren nicht grundlos Menschen. Viele wissen allerdings nicht, dass Kinder von vielen Hunden nicht automatisch als ranghöhere Rudelmitglieder angesehen werden und so leider recht schnell brenzlige Situationen entstehen können, wenn die Erwachsenen die Hundesprache nicht richtig deuten und den Kindern der korrekte Umgang mit Hunden nicht von Anfang an gezeigt wird.

Prinzipiell sollte man Kinder nicht mit Hunden allein lassen und selbst ein Auge dafür haben, wie sich der Hund in Gegenwart des Kindes fühlt und was seine Körpersprache zeigt.

Wir von Hundetrainer Saalekreis wissen, dass keine Rasse und kein Hund per se als "Kampfhund" abgestempelt werden darf. An dieser Stelle sei angemerkt, dass allein die Benutzung des Begriffes "Kampfhund" hinreichend Auskunft über die fehlende Fachkunde derjenigen gibt, die ihn so gern und häufig verwenden.
Inwieweit ein einzelner Hund gefährlich ist, bedarf der individuellen fachkundigen Abklärung. Allerdings wird kein "gefährlicher" Hund resozialisiert, indem man ihn dazu verurteilt, sein Leben lang mit Maulkorb an kurzer Leine zu laufen. Vielmehr muss das "andere Ende der Leine" berücksichtigt und vor allem geschult werden. Hunde - und vor allem deren Menschen - brauchen ein gezieltes Training, damit beide ein lebenswertes Leben führen können, ohne sich oder Dritte zu gefährden.

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